„Toleranz – Schaffen wir das?“
Ein wichtiges Buch sammelt „die wichtigsten Stimmen Deutschlands zu Frage des Jahrhunderts“

Wir sprechen an dieser Stelle über ein Buch, das wir jeder und jedem ans Herz legen, der/die sich mit dem Thema Toleranz beschäftigt. Ähnlich wie unser WerteJahr Toleranz haben sich die Herausgeber Asfa Wossen-Asserate und Annette Friese viel Mühe gegeben, um einen möglichst vielseitigen Blick auf die Toleranz zu werfen. Und wie unserem WerteJahr gelingt es dem Buch, mit einer Fülle kluger Beiträge eine Lanze für die Toleranz zu brechen. „Toleranz – Schaffen wir das?“ ist also keine Konkurrenz zu unserem WerteJahr sondern eine kostbare Bereicherung.
„Toleranz zählt in meinen Augen zu den Grundpfeilern zivilisierten Lebens“, schreibt Asfa Wossen-Asserate in seinem Vorwort. Er selbst ist Mitglied des äthiopischen Kaiserhauses, orthodoxer Christ und deutscher Staatsbürger. Eine seiner Kernaussagen: Toleranz ist möglich, wenn wir unsere eigenen Traditionen ehren und die der anderen respektieren. Und das tut auch dieses Buch, das „einen Bogen spannt, der unterschiedlichen Denktraditionen ein Forum bietet“, wie der Herausgeber erläutert.
Es melden sich kluge und weltoffene Menschen zu Wort wie Aleida Assmann. Die Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaften spricht sich beim Denken über Toleranz für Respekt und Gemeinsinn aus. Sie möchte den Begriff „Respekt“ als eine neue Form „interkultureller Höflichkeit“ einführen. Der langjährige Fraktionsvorsitzende von Die Linke im Bundestag, Dietmar Bartsch, beschreibt die Notwendigkeit des Abbaus von Unterdrückung und Diskriminierung. „An diese Gesellschaft gilt es zu arbeiten, um zu verhindern, dass aus Unterschieden Hass wird.
Die in Essen lebende Schriftstellerin Christina Brudereck geht auf die Sprache als Medium der Toleranz ein. „Eine Sprache, die demokratisch ist und Gleichwürdigkeit spiegelt. Die willkommen heißt.“ Ali Can, Sozialaktivist, Publizist und interkultureller Trainer führt aus, was wir schon wissen: Toleranz ist mehr als Hinnahme einer Tatsache. Er spricht sehr offen über den allgegenwärtigen Rassismus in Deutschland und fordert eine Neudefinition von Integration und Deutschsein, eine wirkliche Gleichberechtigung aller Menschen in unserem Land und einen Umgang auf Augenhöhe.

Es geht auf knapp 300 Seiten sehr unterhaltsam, nachdenklich und aufklärend weiter in dem Buch. Zu Wort kommen Denker unterschiedlicher Religionen und Kulturen, Philosophen, Autoren, Politikwissenschaftler und Juristen. Sie alle haben ihren sehr differenzierten, eigenen und klaren Blick auf die Toleranz. Und so kommen wir am Ende des eindrucksvollen Werkes an und rufen uns noch einmal in Erinnerung, was Asfa Wossen-Asserate in seinem Vorwort sagte: „Ich plädiere für den Aufbruch von einer schwachen zu einer starken Toleranz, die ein Miteinander im Dissens ermöglicht. (…) Ziel ist ein aktives Respektieren, das auf Vernunft und Werten wie Offenheit, Gerechtigkeit und Freiheit basiert.“
Jörg Wild
„Toleranz – schaffen wir das?“ ist als gebundenes Buch fast vergriffen. Erhältlich ist es noch im gut sortierten Buchhandel und vor allem als E-Book im Adeo Verlag
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