Zum Inhalt springen

Ein Ort, um Toleranz zu erlernen und zu leben

Toleranz in der Bonner Kita „Rasselbande“

Die städtische Kita Rasselbande in Bonn liegt im Stadtteil Friesdorf und wird von Kindern vieler unterschiedlicher Nationalitäten und verschiedener gesellschaftlicher Schichten besucht. Wir sehen uns als Erfahrungsort für die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen und somit auch als Ort, um Toleranz zu erlernen und zu leben.

Foto: Kathleen Bergmann auf pixabay

Toleranz bei Kindergartenkindern bedeutet nicht, dass alle Kinder dies von vornherein mitbringen, sondern es erlernen müssen. Unser Kindergartenalltag ist oft geprägt durch nicht immer vorurteilsfreies Handeln. So wird zum Beispiel ein Junge belächelt, weil er in der Verkleidungsecke ein Prinzessinnenkleid anziehen möchte oder ein anderes Kind ausgegrenzt, weil seine Hautfarbe anders ist als die Eigene. Diese kindliche Abgrenzung gehört einerseits zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder dazu, wird jedoch durch die Erwachsenen aufgefangen und begleitet. Wichtig ist, dass das Anderssein akzeptiert und mit einem wertschätzenden Miteinander erlernt wird. Hier sind auch die Erwachsenen als Vorbild gefragt.

Zusätzlich stellen wir im Kindergarten verschiedene Materialien zur Verfügung wie zum Beispiel Puppen mit verschiedenen Hautfarben und Bilderbücher, die sich mit Themen unterschiedlicher Familienstrukturen und dem Anderssein beschäftigen. Des Weiteren gibt es das „Tim und Tula Projekt“ (Programm der deutschen Liga für das Kind), bei dem Kinder sich mit Hilfe von zwei Spielpuppen konkret mit dem eigenen Körper und Gefühlen auseinandersetzen. Durch das Wissen über den eigenen Körper, andere Kulturen, Familienmodelle und Lebensumstände und durch das tägliche Spielen in der Gruppe mit Kindern verschiedener Altersgruppen, Religionen und Nationalitäten wollen wir Vielfalt und Toleranz erlebbar machen. Nur wer viel über sich selbst und seine Mitmenschen weiß, kann eine eigene differenzierte Meinung bilden und sich selber reflektieren und korrigieren.

Das Haus der Kita „Rasselbande“ im Bonner Stadtteil Friesdorf

Die Kinder sollen in Ereignisse und Entscheidungsprozesse einbezogen werden, eigene Ideen, Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen und äußern können. Sie werden im Kita-Alltag bei der Auswahl der Spiele und Lieder, die im Morgenkreis gesungen werden, sowie der Auswahl des Mittagessens oder der Neugestaltung eines Funktionsraumes, miteinbezogen. Seine eigene Meinung bilden und auch die Meinung anderer wahrzunehmen und gelten lassen, gehören zu einem toleranten Verhalten dazu.

Natürlich verhindert diese offene und tolerante Haltung nicht vollends jeden Streit, jedes Schubsen und Beißen oder Schimpfwort in der Kita. Es ist ein Prozess. Kinder müssen Empathie entwickeln, um vernünftig mit Grenzüberschreitungen umzugehen.

Für uns im Alltag heißt das, immer wieder ins Gespräch gehen, erklären, Vorbild sein und deutlich machen, dass Ausgrenzung und Vorurteile keinen Platz bei einem friedvollen Umgang miteinander haben.

Hildegard Lützeler, Leiterin der Kita „Rasselbande“

Text: Hildegard Lützeler, Leiterin der „Rasselbande“

Fotos: Rasselbande