Engagement für das Erinnern
Am 8. Mai 2025 gedenken wir dem Ende des 2. Weltkriegs vor genau 80 Jahren. In Berlin ist der Tag einmalig sogar ein Feiertag. 2015 hat ein Gemeinschaftsprojekt des Pressenetzwerks für Jugendthemen mit niederländischen Partnern Denkanstöße für den Umgang mit diesem Gedenktag geliefert. Wir blicken auf dieses Engagement zurück.
Ein Gedenk- oder Feiertag
Auf Initiative des Abgeordnetenhauses Berlin gilt der 8. Mai 2025 in der Bundeshauptstadt einmalig als Feiertag. Der „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“, wie der Tag im Bewusstsein aller Deutschen angenommen werden soll, jährt sich zum 80. Mal. Zahlreiche engagierte Menschen aus Politik, Gewerkschaften und weiteren Organisationen fordern für die Aufrechterhaltung unserer Erinnerungskultur schon länger ein bundesweites Gedenken am Tag des Endes des 2. Weltkriegs in Europa.
Vor genau 10 Jahren schloss sich eine Gruppe von Institutionen zusammen, um dieses Thema besser zu verorten. Zum 70-jährigen Jubiläum der Befreiung vom Nationalsozialismus nutzte das Pressenetzwerk für Jugendthemen den Blick in die Niederlande und fand tolle Kooperationsprojekte, um den europäischen Freiheitsgedanken zu stärken.

Voorvrijheid – für Freiheit
Im Rahmen der niederländischen Gedenk- und Befreiungstage am 4. und 5. Mai startete die Dokumentationsplattform „voorvrijheid.eu“. Für diesen Blog haben sich Journalist:innen des Duitsland-Instituuts der Universität Amsterdam, des Niederlandehauses in Münster sowie Mitglieder des Pressenetzwerks zusammengefunden, um in unterschiedlichen Perspektiven den niederländischen und deutschen Freiheitsbegriff im Rahmen der zurückliegenden Jahrzehnte zu untersuchen. Dabei kamen bereits zu Beginn spannende Ansätze unserer westlichen Nachbarn zutage, die teilweise im deutschen Sprachraum noch keine Beachtung fanden. Das National Comiteé 4en5 mei organisiert beispielsweise genau an den beiden genannten Tagen Veranstaltungen, die inspirieren können. Nach einem Totengedenken am 4. Mai, das an Stil und Ehrfurcht zu imponieren weiß und dennoch nicht überfrachtet ist, folgen am 5. Mai im ganzen Land kostenlose Befreiungsfestivals. Dabei steht an beiden Tagen das Schlagwort Freiheit im Fokus – von einer Opferrolle und durch die Generationen getragenen Hass ist nichts zu spüren. Hier ist man sich seiner europäischen Verantwortung für künftige Niederländer und Deutsche vollends bewusst. Ein Gesamtkonzept, das Vorbild für Deutschland sein kann.



Ein weiterer Programmpunkt 2015 war unser Video-Workshop in Köln. Niederländische und deutsche Nachwuchsjournalist:innen gingen im Rheinland auf die Suche nach Freiheitsaspekten. Schnell wurde klar, dass viele selbstverständliche Freiheiten in unserem modernen europäischen Leben, gar nicht selbstverständlich sind. Die aufschlussreichen Ergebnisse sind hier zu sehen: voorvrijheid.eu/videos-fuer-freiheit/

Erinnerungskultur aufrechterhalten
Seit dem Jubiläumsjahr 2015 halten wir unseren Blog: voorvrijheid.eu am Leben. Er ist zwar nun schon in die Jahre gekommen, erfüllt aber neben der Dokumentation der damaligen Initiativen einen weiteren Zweck: „Voorvrijheid“ ist Niederländisch und heißt „Für Freiheit“. Diesen Namen nutzen Rechtspopulisten in unserem westlichen Nachbarland. Geert Wilders „Partij voor de Vrijheid“ (PVV, also Partei für die Freiheit) kann unsere blockierte Domain nicht nutzen und hat so zumindest ein Google-Ergebnis weniger für sich zu beanspruchen.
Die Arbeit unserer niederländischen Partner ging seitdem ununterbrochen weiter. Mehr über die nachahmenswerten Initiativen sind hier zu finden:
Mehr über das Gedenken und Feiern in den Niederlanden unter: National Comité 4 en 5 me

Das Duitsland Instituut der Universität von Amsterdam steuerte 2015 ebenfalls zahlreiche spannende Programmpunkte bei.

Wir wünschen allen Menschen in Berlin einen schönen Feiertag und hoffen, dass das Engagement für 2025 ein Vorbild für den Umgang mit der Erinnerungskultur für die Zukunft sein. Nachdem eine Studie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) im April 2025 offenbart hat, wie viele Menschen sich einen neuen Umgang mit der deutschen Vergangenheit wünschen, scheint eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema aktuell wichtiger denn je. (Mehr dazu hier: https://www.stiftung-evz.de/gedenkanstoss/)
Text und Fotos: Robert Filgner
Kategorien