Einmal alles betrachten
Wenn wir über Gerechtigkeit sprechen, kommen wir schnell zu Themen wie Gleichberechtigung, Rechtsstaat, gerechte Erziehung und allgemein ein faires und ausgeglichenes gesellschaftliches Miteinander. Das ist auch alles korrekt und wichtig. Was mir dennoch oft fehlt in diesen Debatten ist die Auseinandersetzung mit der Natur und Wesen, die schwächer sind als wir.
Einst haben wir mit Pflanzen und Tieren zusammengelebt, hatten eine Verbindung – nicht nur zu anderen Menschen. Diese scheint vollkommen verloren gegangen zu sein. Unbedacht trampeln wir Wiesen platt und reißen Blumen aus. Wir führen Experimente an Tieren durch, damit wir bessere Zahnpasta haben und halten unsere Nutztiere unter schlimmsten Bedingungen, als wären es Gegenstände und keine fühlenden Geschöpfe. Wir fällen Bäume, um Häuser zu bauen und erschlagen Wespen, weil sie uns nerven. Die Liste ist lang. Und in ihr sind noch nicht all die Dinge enthalten, die wir zusätzlich dem Klima antun – das ist wieder ein anderes Thema, wenn auch zusammenhängend.
Ist das Gerechtigkeit?
In der Definition im Duden lautet es: „[…] Prinzip eines staatlichen oder gesellschaftlichen Verhaltens, das jedem gleichermaßen sein Recht gewährt […]“
Fallen die Tiere und Pflanzen, mit und DANK denen wir leben, nicht auch unter „jedem“? Für viele scheint das nicht der Fall zu sein, es zählt nur noch der Mensch – und seine Macht als stärkstes und herrschendes Lebewesen.

Es wäre so wichtig, viel mehr Empathie zu schulen, um ein Umdenken zu ermöglichen. Im Kindergarten die riesige Welt unter unseren Füßen erforschen – zusammen die emsige Arbeit von Ameisen beobachten und die lustige Art der Fortbewegung von Raupen bestaunen. Gartenarbeit und Insektenkunde in Grundschulen. Auf der weiterführenden Schule Thementage mit einem Besuch in einer Legebatterie oder einem Schlachthof – und zwar nicht beim Bio-Bauern um die Ecke. Der respektvolle und gerechte Umgang mit unserer Umwelt müsste von Anfang an Unterrichtsmaterial sein, allein schon, weil vielen tatsächlich nicht unbedingt die Empathie, sondern das Wissen fehlt. Es gibt Menschen, die denken, Kakao komme von braunen Kühen und welche, die der Überzeugung sind, das fertig eingepackte Fleisch in der Kühltheke komme nicht vom Schwein, sondern sei Menschengemacht. Das klingt im ersten Moment lustig. Ist es aber nicht.
Wir müssen dringend die Gerechtigkeit auf den Umgang mit der Natur ausweiten. In Spanien gelten Haustiere seit 2022 gesetzlich als vollwertiges Lebewesen, dem keine Gewalt angetan werden darf. Das bedeutet auch: Deutlich härtere Strafen für Menschen, die sich nicht daran halten und ihre Tiere quälen oder aussetzen. Das ist ein Anfang. Das könnten wir in Deutschland doch auch einmal wagen – anfangen, um darauf weiter aufzubauen.
Dakini Böhmer-Filgner
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