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Orange the World 2022: Stopp Gewalt gegen Frauen!

Bild: © UN Women Deutschland

Gewalt gegen Frauen ist eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen und überall auf der Welt präsent.

Geschlechtsspezifische Gewalt ist allgegenwärtig.

Geschlechtsspezifische Gewalt beschreibt gewaltvolle Handlungen gegenüber einem Individuum oder eine Gruppe von Individuen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit. Diese Form der Gewalt ist in der gesellschaftlichen Ungleichbehandlung von Frauen, im Missbrauch von Macht sowie sexistischen Gesellschaftsstrukturen verankert. Der Begriff wird benutzt, um zu verdeutlichen, dass gesellschaftlichen Strukturen das Risiko für Mädchen und Frauen erhöhen, von bestimmten Formen von Gewalt betroffen zu sein.

Auf der Straße, am Arbeitsplatz, beim Ausgehen, im eigenen zu Hause – keine Frau und kein Mädchen auf der Welt ist vor Gewalt geschützt, auch nicht in Deutschland. Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht jährlich eine Statistik zu partnerschaftlicher Gewalt und die Zahlen sind jedes Mal erschütternd. Im Jahr 2020 hat jeden Tag ein Mann versucht seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Etwa alle zweieinhalb Tage tötete ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin. Jede Stunde werden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften. Diese Zahlen – hinter denen Menschen stecken – zeigen jedoch nur die Gewalt, die zur Anzeige gebracht wurde. Die Dunkelziffer ist weit höher. Und mehr noch: Das BKA beschreibt nur die partnerschaftliche Gewalt, Frauen erleben jedoch auch im öffentlichen Raum Gewalt, tagtäglich. Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Laut einer Umfrage von Plan International haben schon 70% der Mädchen in Deutschland Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen in den sozialen Medien erlebt.

Und sollte keine Normalität mehr sein.

Ich persönlich kenne keine einzige Frau in meinem Umfeld, die nicht bereits körperliche, sexualisierte oder psychische Gewalt durch einen Mann erlebt hat, die von Fremden oder Bekannten anzügliche Sprüche gehört hat, betatscht wurde, bedrängt wurde. Denn die Gewalt fängt genau da an: bei unangebrachten Sprüchen vom Chef, beim unangenehmen Gefühl nachts unterwegs zu sein oder nicht sicher zu sein, ob K.O.-Tropfen im Getränk gelandet sein könnten. Die meisten Frauen in meinem Umfeld sind ständig auf der Hut – und nehmen das als selbstverständlich wahr. So werden wir schließlich erzogen und sozialisiert. Es sollte aber keine Normalität sein, ständig potentieller Gewalt ausgesetzt zu sein.

Gewalt und Sexismus im Alltag bekämpfen.

Um die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu bekämpfen, ist dringend Aufklärung nötig: Wo fängt Gewalt an, welche Formen kann Gewalt annehmen. Werbung, die Frauen und Mädchen sexualisiert und herabwürdigt, anzügliche Sprüche von Männern in Machtpositionen, die Freundin zum Sex drängen oder die Partnerin kontrollieren – das ist der Nährboden der Gewalt, die im schlimmsten Fall im Mord – bzw. „Femizid“ – endet.

Wir von UN Women Deutschland setzen uns dafür ein, dass Männer anerkennen, dass sie einen wichtigen Teil zum Ende der Gewalt beitragen müssen – nicht nur als (potentielle) Täter, sondern auch, indem sie das „Nein“ von Frauen akzeptieren und sexistische Sprüche ihrer Kumpels nicht durchgehen lassen.

Politische Gesamtstrategie.

UN Women Deutschland fordert, dass geschlechtsspezifische Gewalt als strukturelle Diskriminierung anerkannt wird. Um geschlechtsspezifische Gewalt nachhaltig zu beenden und um die Unabhängigkeit von Frauen zu stärken, braucht es eine politische Gesamtstrategie und Gleichstellung auf allen Ebenen. Dazu gehört ein Verbot sexistischer und diskriminierender Werbung im öffentlichen Raum, Gewaltprävention und der Abbau von Stereotypen und Geschlechterrollen. Außerdem muss die eigenständige Existenzsicherung von Frauen gestärkt werden, u.a. mit besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mit Equal Pay und Equal Care. Wer finanziell von einem Partner abhängig ist, kann sich oft nicht trennen und ist der Gewaltsituation weiter ausgeliefert. Wer wenig Geld hat, traut sich eventuell nicht, juristische Hilfe zu suchen.

Orange The World! 

Die UN-Kampagne „Orange The World“ macht seit 1991 auf Gewalt aufmerksam: vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Sie ist seit 2008 Teil der „UNiTE to End Violence against Women“Kampagne des UN-Generalsekretärs, die von UN Women durchgeführt wird. Während der 16 Aktionstage zeigen Menschen, Organisationen, Unternehmen, Regierungen und Städte mit der Farbe Orange ihre Solidarität und die Nulltoleranz von Gewalt gegen Frauen.

Mehr Informationen zu Orange The World 2022: www.gewalt-stoppen.org

Über UN Women Deutschland

UN Women Deutschland e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und eines von weltweit 12 Nationalen Komitees, die auf Länderebene die Arbeit von UN Women zur Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung von Frauen durch Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising unterstützen. www.unwomen.de

Über die Autorin

Bettina Jahn ist Referentin für Presse, Kommunikation und Bildung bei UN Women Deutschland. Nach dem Studium der Regionalwissenschaften Lateinamerika in Köln und Buenos Aires arbeitete sie für mehrere Nichtregierungsorganisationen in Deutschland und Südafrika in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Fundraising. Seit 2017 arbeitet sie für UN Women Deutschland und setzt sich für intersektionalen Feminismus ein.